von Stefan Bockelmann
Meilenhofen - Welche Aufregung muss in Max Meier wohl vorgegangen sein, als er im Oktober 1959 bei Erdarbeiten auf dem Grundstück in Meilenhofen Nr. 7 (heute Milostraße 9) einen Meter vor der Haustüre in ca. 40cm Tiefe auf ein zerbrochenes Tongefäß gestoßen war? Bei der Bergung des Topfes ging dieser leider zu Bruch. Aber sein Inhalt bestand aus mehreren tausend grün angelaufenen und zu Klumpen zusammengeklebten Münzen.
Pflichtbewußt meldete Hr. Meier den seltenen Fund an den damaligen Schullehrer und Heimatpfleger Oswald Böhme aus Nassenfels. So konnte dieser vor Ort die nötigen Vermessungen und Aufzeichnungen vornehmen. Außerdem erhielt er von Hrn. Meier die Scherben des Münzgefäß, so wie ein paar Münzen zur Bestimmung.
Oben: Der restaurierte Münztopf mit den konservierten Münzen aus Meilenhofen Bildnachweis: Germanisches Nationalmuseum, Foto: Georg Janßen
Oben: Der aus den einzelnen Scherben zusammengtesetzte Münztopf. Bildnachweis: Germanisches Nationalmuseum, Foto: Georg Janßen
Rechts: Beschreibung der Fundstellung von Oswald Böhme mit Skizzierung von seinem Sohn Roland Böhme.
Der Münztopf
Böhme konnte den Münztopf bis auf eine kleine fehlende Scherbe wieder zusammensetzen. Der Topf ist 22cm hoch und hat an der bauchigen Stelle einen Durchmesser von 17,5cm. Die Öffnung weist einen Druchmesser von 10,5cm auf und er ist aus graubraunem, sandigen Ton gebrannt. Da die darin vergrabenen Münzen aus dem 13. Jahrhundert stammen, kann auch der Topf dieser mittelalterlichen Epoche zugeschrieben werden.
Die Münzen
Böhme beschreibt, dass die Münzen größtenteils zu Klumpen aneinander klebten. Da sie aus einer Legierung von Kupfer und Silber hergestellt waren, oxidierte das Kupfer im Laufe der Zeit heraus und bildete auf den dünnen, unregelmäßigen Münzen eine Haut aus Grünspan. Die Masse der Münzen bestand aus den zu dieser Zeit weit verbreiteten Händleinspfenninge aus Schwäbisch Hall, in welche auf einer Seite eine Hand, auf der anderen Seite ein Kreuz eingeschlagen hatten. Die Händleinspfennige eroberten seit der ersten Hälfte des 13 Jahrhunderts weite Teile des süddeutschen Raums und ist uns auch schon in dem 1908 in Buxeim geborgenen Münzschatz begegnet (vgl. der Münzschatz von Buxheim).
Ludwig Veit sieht in den Symbolen Hand und Kreuz ein seinem Buch "das Liebe Geld" die Marktrechtsymbole, den Königshandschuh und das Marktkreuz.
Aber auch ein paar Augsburger Pfennige (Augsburger Brakteaten) des Augsburger Bischofs Wolfhardt von Roth (Amtszeit 1288 - 1302) waren dabei. Das Konterfei des Bischofs war bei den Brakteaten nur einseitig eingeschlagen, so dass es auf der Rückseite negativ zum Vorschein kam, also hohl blieb. Man spricht auch von Hohlpfenningen.
Böhme schätzte in seine kurzen Sichtung die Anzahl der Münzen auf ca 2000 - 3000 Stück, allerdings konnte er selbst den Münzschatz nur oberflächlich betrachten, da der Finder ihn für eine fachliche Untersuchung aus "Bedenken" zunächst nicht freigegeben hatte.
Mit seiner Schätzung sollte Böhme falsch liegen.
Verbleib des Münzschatzes
Böhme zeigte im Oktober 1959 den Münzschatzfund dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege an. Aus einer Korrespondenz mit dem Landesamt geht hervor, dass Böhme ersucht wird, "... dem Fund die größte Fürsorge angedeihen zu lasssen und ihn baldmöglichst unter Ersetzung der Reisespesen nach München zu bringen oder zu senden." In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass der Münzschatzfund ausschließlich zur Sichtung, Dokumentation und Konservation nach München verbracht werden sollte. Zur damaligen Zeit sah die Gesetzteslage nämlich noch so aus, dass der Fund dem Finder gehörte.
Das Landesamt informierte die Staatliche Münzsammlung in München über den Fund, und dieses setzte sich wiederum mit dem Finder in Verbindung. Wie aus einer weiteren Korrespondenz hervorgeht, hatte Hr. Meier der Staatlichen Münzsammlung ein paar Münzen vorgelegt und auch das Versprechen gegeben, den ganzen Fund zur Untersuchung nach München zu bringen.
Die staatliche Münzsammlung München sicherte dem Finder zu, dass er den Münzschatz nach der wissenschaftlichen Aufarbeitung und Reinigung zurück bekommen würde, und ihm auch keinerlei Kosten enstehen würden. Aber trotzdem scheint Hr. Meier das Vertrauen in die Münzsammlung verloren zu haben und hatte den Fund zunächst für sich behalten.
Die staatliche Münzsammlung intervenierte sogar in einem Schreiben vom 17.Nov. 1959 beim Landratsamt Eichstätt, um gewissen Druck auf Hrn. Meier auszuüben, den Münzschatz doch noch zu oben beschriebenen Zwecken zu erhalten.
Fast ein Jahr später wurde der Münzschatz im Oktober 1960 durch das Germanische Nationalmuseum Nürnberg von einem Hrn. Josef Kösel abgekauft. Naheliegend ist jedoch, dass bei dem Namen 'Kösel' ein Übertragungsfehler vorliegt, und hier ein Josef Gößl gemeint ist. Denn das Haus Nr. 7 in Meilenhofen war früher der Gößl-Hof. Infrage als Verkäufer kommen der Schwiegervater, oder aber auch der Schwager von Max Meier, die beide Josef Gößl hießen.
Anzahl der Münzen
Bis zum Abschluss meines Berichts konnte die genaue Anzahl der in dem Münztopf enthaltenen Münzen nicht in Erfahrung gebracht werden. Böhme schätze die Anzahl auf 2000 - 3000 Münzen, aber andere Quellen nennen die Zahl 5000 - 6000 Münzen. Weitere Recherchen finden die Zahl 5.967 Münzen.
Eine Anfrage an das Germanische Nationalmuseum bleibt bis heute unbeantwortet. Ein paar Münzen hat Max Meier wohl für sich behalten, die sich immer noch im Besitz der Familie befinden.
Nachwort
Als Kreiheimatpfleger Dr. Karl Heinz Rieder im Juli 2012 den damaligen Gründer und Vereinsvorsitzenden Wunibald Iser zu diesem Münzschatzfund befragte, meinte dieser, das man im Ort zwar von dem Schatzfund wusste, aber nicht viel darüber gesprochen wurde. Max Meier ist in den 1973 gestorben. Auch bei meinen Recherchen habe ich die Erfahrung machen dürfen, dass selbst "Ur-Meilenhofener" nichts von dem Schatzfund gewußt hatten.
Mein Dank gilt unserem 1. Vorsitzenden Hrn. Dr. Karl Heinz Rieder, der mir seine Unterlagen zum Schatzfund von Meilenhofen zur Verfügung gestellt hatte, außerdem auch Hrn. Andreas Spreng jr, so wie einem weiteren Vereinsmitglied, welcher aber namentlich nicht genannt werden will, die mir beide mit Informationen zu den Familienverhältnissen der Familie Meier und Gößl geholfen hatten. Außerdem möchte ich mich noch bei Hrn. Dr. Matthias Nuding vom Germanischen Nationalmuseum bedanken, der mich mit aktuellen Daten zum Münschatzfunde versorgt hatte.
Zeichnung: Böhme. Aus "Historische Blätter für Stadt und Landkreis Eichstätt, Nummer 1, 9. Jahrgang (1960) Der schraffierte Bereich markiert die fehlende Scherbe.
Quellen / Literaturnachweis
- Archiv Dr. Karl Heinz Rieder
- Oswald Böhme, "Der Schatzfund von Meilenhofen" in "Historische Blätter für Stadt und Landkreis Eichstätt" Nr 1, 1960
- Ludwig Veit, "Münzfunde 1960-1962 im GermanischenNational-Museum Nürnberg" in Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte, 1963
Erstelle deine eigene Website mit Webador