Der Münzschatz von Buxheim

Veröffentlicht am 23. März 2026 um 17:37

vom Stefan Bockelmann

Buxheim - Da wird der Buxheimer Totengräber Stanislaus Ostermeier (1846 - 1926) nicht schlecht gestaunt haben, als er Ende 1908 bei seiner Arbeit auf dem Friedhof von Buxheim ein unter Steinen zugedecktes, zerbrochenes Tongefäß mit einer stattlichen Anzahl von Münzen (ca. 4000) entdeckt hatte. Genau an dieser Stelle soll sich früher ein Schutzhaus befunden haben. 

Der Schatz kam zunächst ins Pfarrhaus von Buxheim, aber nach Bekanntwerden des Münzfundes erregte dieser landesweit großes Interesse bei den Numismatikern. So wurden die besten Stücke an namhafte Münzsammler verkauft. Die damals aufgefundenen Scherben und noch ein Haufen Heller  (nach Tilman Mittelstraß ca. 1000 Münzen) wurden noch ca. 100 Jahre im Pfarrhaus von Buxheim aufbewahrt. Der damalige Pfarrer Trollmann überlies Scherben und Münzen unserem Kreisheimatpfleger Dr. Karl Heinz Rieder, welcher das Münzgefäß rekonstruieren ließ und die verbliebenen Münzen an die Staatliche Münzsammlung nach München brachte. 

Bild erstellt mit KI (OpenAI ChatGPT/DALL·E)


zwei Rienecker Pfennige haben sich unter den Münzen befunden (Bild https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Rieneck,_Grafschaft)

der Pfälzer Weckenschildpfennig (Pfälzer Weckler) war ebenfalls mit mehreren Exemplaren im Buxheimer Münzschatz vertreten (Bild: https://de.wikipedia.org/wiki/Weckeler)

Pfennig Regensburger Schlag nach 1366 (Bild: https://www.ma-shops.de/stadler/item.php?id=201008010)

Reiches Sammelsurium

Bei den aufgefundenen Münzen handelte es sich um etwa 4000 Pfennige und Heller von denen die meisten aus der zweiten Hälfte des 14. Jhd stammen und in den verschiedensten Münzstätten Frankens und der Oberpfalz geprägt wurden. Einzelnachweise zu Pfenningen des Regensburger und Würzburgerschlags werden im Buxheimer Fund aufgeführt. Diese beiden genannten Pfennige wurden durch einseitige fränkische Pfennige von 1396 abgelöst, welche ebenfalls im Münzfund nachweisbar waren. 6 Goldgulden aus Trier (3), Köln (1) und von Burggraf Friedrich V. von Nürnberg (2) befanden sich ebefalls darunter. Eine Besonderheit sind Münzen der Pfalzgräfin Elisabeth (1329 - 1402, Tochter des Ludwig von Bayern, Witwe Ulrichs von Würtenberg), welche auf einer Seite Hirschstangen tragen. Sie zählen zu den  ältesten Münzen Württembergs. 

Kurz nach Auffinden des Schatzes veröffentlicht Heinrich Buchenau in den "Blättern für Münzfreunde" im Jahre 1909 Einzelheiten über die Herkunft der Münzen: 

"Neben vier rheinischen Guldgulden (3 Trier, 1 Kölner) bilden etwa 4000 Pfennige und Heller aus mehr oder weniger geringhaltigem Silber von den Münzstätten Frankens und der heutigen Oberpfalz die Hauptmasse des Fundes. Entsprechend der Eigenschaft von Eichstätt als fränkisches Bistum sind besonders Würzburger Münzen aus verschiedenen Münzstätten stark vertreten; dann Bamberg; das sogenannte Neuböhmen (Erlangen, Lauf, Auerbach);  Burggrafschaft und Stadt Nürnberg; Grafen von Rieneck, Castell, Hohenlohe, Nassau, Öttingen, Wertheim; Landgrafen von Leuchtenberg; Miltenberg als mainzische Münzstätte; gräflich hennebergische Gepräge von Schleusingen, Schmalkalden, Römhild usw.; hessische von Schmalkalden; Koburg und Hildburghausen als markgräflich meißnische Münzstätten; Abtei Fulda; die oberpfälzischen Pfennigschmieden zu Amberg, Sulzbach, Neumarkt, Lauf; auch fränkische Hohlpfennige (Miltenberg, Fulda, Würzburg u. a.); das jetzt badische Lauda als Münzort eines Plalzgrafen Rupert; Händleinspfennige aus Schwäbisch-Hall und deren Nachahmungen. Der Fund ist mit der Donaulinie wie abgeschnitten, vereinzelt fanden sich:
thüringisch-meißnische Groschen, Tiroler Kreuzer, Pfennige von Ingolstadt, München,
Wien, Graz, Hohnstein in Thüringen, Stendal, Straßburg, des Patriarchen von Aquileja u. a.

Die sonst in oberdeutschen Funden so häufigen böhmischen Groschen fehlen ganz. Das kgl. Münzkabinett zu München vermochte den Fund durch das einsichtsvolle Entgegenkommen des Herrn Pfarrers Maier in Buxheim fast in seiner Gesamtheit zu erwerben"


Gefährliche Zeiten

Münzfunde auf Friedhöfen sind nicht selten, stammen sie häufig aus Grabbeigaben oder aber erklären sich dadurch, dass hier vergrabene Münzfunde auf göttlich geweihten Acker besonders sicher seien. Eine Analyse der Prägedaten der Münzen führt zum Ergebenis, dass der Münzschatz um 1410 vergraben worden sein muss. Was könnte den Besitzer dazu veranlasst haben? 

Die Quellen erwähnen die Raubritter Wilhelm von Seckendorf und Heinrich von Arnsberg, welche Ende des 14 Jhd ihr Unwesen trieben und 1371 in Buxheim und Eitensheim 14 bischöfliche Untertanen erschlagen haben.

Die Bayerische Numismatische Gesellschaft neigt in ihrem Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte von 1964 dazu, als Anlass die kriegerischen Auseinandersetzungen ab 1388 während der Fehde des Burggrafen von Nürnberg mit seinem verbündeten fränkischen Adel, darunter die Grafen von Castell und die Grafen von Rieneck gegen die Reichsstadt Rothenburg o.d. Tauber, begründet zu sehen. 1407 erreichten die Kämpfe ihren Höhepunkt. Nicht weit von Buxheim entfernt besaßen die Grafen von Castell den Hessenhof zwischen Ingolstadt und Buxheim, was auch zu Kampfhandlungen in diesem Raum führte. Man könnte diese Annahme nun "weiterspinnen", in dem die unterschiedliche Herkunft der vielen Münzen darin begründet sein könnte, dass man sie den gefallen Soldaten aus den verschiedenen Grafschaften abgenommen hatte. Oder aber stammen die Münzen doch aus einem Sparguthaben eines gut vernetzten und einflussreichen Kaufmanns, der sie in den Kriegswirren in Sicherheit gebracht hatte aber selbst nicht mehr ausgraben konnte? 

Und nicht zuletzt wurde ab 1411 im Eichstätter Raum auch mit der Hexenverbrennung begonnen was ebenfalls für Angst und Schrecken gesorgt haben dürfte und den Besitzer zum Vergraben seiner Münzen an jener Stelle veranlasst haben könnte. Alles ist nur reine Spekulation, den wahren Beweggrund werden wir über 600 Jahre später wohl nicht mehr erfahren. 

 

Bild rechts: So muss das Münzschatzgefäß ausgesehen haben, Beim Auffinden waren nur noch wenige Scherben vorhanden. Rekonstruktion von Marianne Heimbucher, Fa. Romana, Rosina Rieder. (Foto: Archiv K. H. Rieder)


Verbleib der Münzen

Über den Verbleib der Münzen geht aus der dem Autor vorliegenden Literatur nicht sehr viel hervor. Nach dem Auffinden des Schatzes stürzten sich Numismatiker des ganzen Landes da drauf und pickten sich die besonderen Münzen heraus. Heimatforscher Oswald Böhme bekam Einsicht in die mit der Pfarrei Buxheim geführte damalige Korrespondenz und listet den Verbleib einiger Münzen in seinem 1969 in den Historischen Blättern erschienenen Artikel auf:

[...] Zuerst wanderte der Fund nach Lauingen an einen Sammler namens Bertele. Der entnahm 44 Stücke. In seinem Brief vom 24. Juli 1909 führte er sie auf: 2 Goldgulden, 7 Münzen (leider ist nicht vermerkt, welchen Wertes sie waren) Nürnberg, Münzherr Friedrich V. (ich füge jeweils die Regierungszeit zu: 1368-1396); 5 Nürnberg Reichsstadt (1397 und 1411); 6 Böhmen, Wenzel (1378-1419); 6 Oberpfalz Rupert I. (1353-1390); 7 Rupert I. mit besonderem Aufdruck R+A; 1 Rupert II. (1390-1398); 3 Friedrich V. Lauf; 5 Johann II. (Bayern - München 1392-1397); Otto V. der Finner (1347-1379); 3 Coburg, Friedrich der Streitbare (1381-1428); 3 Würzburg, Bischof Gerhard (1372-1400); 1 Henneburg, Heinrich XI. (1375-1405). Вertele nennt am Schluß seines Briefes einen weiteren Interessenten, nämlich Prof. Paul Zenetti in Dillingen. Tatsächlich erhielt nun der Historische Verein Dillingen eine Auswahl zugesandt. Eine Aufrechnung vom 2. Oktober 1910 gibt uns Aufschluß, welche Münzen zugeschickt
und wieviele vom Münzwart Gröbl angekauft worden waren: (die erste Zahl nach dem Münzherrn bedeutet die Zahl der zur Auswahl
überlassenen Münzen, die Zahl in Klammern, die vom Historischen Verein Dillingen angekauften). 

Otto, der Finner 5 (1); Johann II. 17 (1); Friedrich, der Streitbare 8 (0); Nürnberger Pfennige 2 (0); Adolf Graf von Nassau, Kurfürst u. Erzbischof von Mainz 2 (0); Friedrich d. Str. 10 (2); Heinrich von Henneburg, Schleusingen 3 (0); Niederbayern, Otto V. u. Friedch V. 16 (2); Bayern-Mü., Johann II. 3 (1); Würzburg, Bischof Gerhard 4 (0); Rupert I. Oberpfalz, Münzstätte Sulzbach 5 (1); Bayern Landshut, Friedrich I. 3 (0); Oberpfalz, Rupert I. 40 (0); Böhmen, Wenzeslaus) 27 (0); Nürnberg, Burggraf Friedrich V 29 (2); Nürnberg, Reichsstadt 21 (0); Oberpfalz, Rupert I. Amberg 42 (0); Rupert II. 3 (1); Rupert III. 1 (1); Mainz 3 (2); Rupert 1. 5 (2); Nürnberg, Reichsstadt 3 (1); Böhmen, Wenzel 5 (1); Rupert 1. 4 (1); Es lagen also 308 Stück vor, von denen 22 gekauft wurden. Nachdem in dieser Aufzählung manche Münzherren mehrfach vorkommen, ist anzunehmen, daß es sich um verschiedene Sorten handelte. Leider ist in dieser Rechnung die Sorte, ob Gulden, Heller, Pfennig oder ähnl. nicht angegeben. [...]

Den Rest bis auf die zunächst in Buxheim verbliebenen ca. 1000 Münzen hat den Angaben nach die Staatliche Münzsammlung München aufgekauft, leider sind laut Böhme die schriftlichen Aufzeichnungen hierüber im Zweiten Weltkrieg bei einem Brand zerstört worden. 

Wie eingangs erwähnt kamen dann ca. um 2010 die verbliebenen 1000 Münzen ebenfalls in die staatliche Münzsammlung nach München. 

Fünf Schwäbisch Haller Händleinpfennige aus dem Nachlass des Nassenfelser Lehrer und Heimatforscher Oswald Böhme befinden sich seit Kurzem auch im Depot des Historischen Gedächtnis des Landkreis Eichstätt.

Händleinspfenninge aus dem Buxheimer Münzschatz. Zwei Rückseiten und eine Vorderseite (Zeichnung Oswald Böhme)

Ein paar Händleinpfenninge aus Schwäbisch Hall des Münzschatz von Buxheim aus dem Nachlass von von Heimatforscher und Lehrer Oswald Böhme. (Foto: Stefan Bockelmann)


Quellen / Literaturnachweis

  • Oswald Böhme in Historische Blätter für Stadt und Land Eichstätt, Nummer 5, 1969
  • Heinrich Buchenau, in "Blätter für Münzfreunde" Ausgabe 1909
  • Dr. Josef Reichart in Ingolstädter Heimatblätter, Nummer 12, 1965
  • Tilman Mittelstraß, Die Münzschatzgefäße des Mittelalters und der Neuzeit aus Bayern, ISBN 978-9812181-6-9
  • Waldemar Weigand im Jahrbuch für Numismatik und Geschichte, Band XIV 1964
  • Kurt Scheuerer (https://www.ingolstadt.de/stadtmuseum/scheuerer/museum/mz-ma-04.htm)