Wolkertshofen: Leut bet's!

Veröffentlicht am 16. März 2026 um 14:49

aus: Emmi Böck, Sagen und Legenden aus EICHSTÄTT und Umgebung, Brönner und Daentler, ISBN 3-920142-00-4

Leut Bet's!

Als die "grundlosen" Gleßbrunnen zwischen Wolkertshofen und der Unterhaidmühle (= Goggermühl) noch nicht mit Busch und Strauch umfriedet waren, galt es selbst für Einheimische als ein Wagnis, nachts dort das Moos zu durchqueren. Nun lebte in Wolkertshofen ein Bauer, der jeden Samstag seinen Rausch aus dem Wirtshaus heimtrug und, bevor er zu Bett ging, seine Frau mir dem Ochsenfiesel traktierte. So war die Frau dem Mann nicht mehr hold, und in ihrem Verdruss sagte sie jeden Samstag für sich: "Wenn er doch nicht mehr heimkäme!"

Als dann ein Bekannter des Bauern in Egweil Hochzeit hielt, machte sich der Bauer dorthin auf und kehrt in nächtlicher Stunde über das Moos heim. Unterwegs verirrte er sich, geriet in einen der "Brunnen", wo er sogleich unterging und elend ertrank.

Alles Suchen nach dem Toten blieb erfolglos. Der Brunnen gab den Leichnam nicht mehr heraus. Wenn aber Pest, Krieg oder Hungersnot dem Lande droht, steigt der Tote im Brunnen auf bis zur Brust und ruft dreimal in die Richtung von Egweil, Nassenfels und Wolkertshofen: "Leut bet's!" Danach geht er wieder unter. 

(Angegbene Quelle: Ingostädter Heimablatt 12, 1949, Nr.6 (Beitrag von L.E., zu anfang der 1920er Jahre in Egweil aufgeschrieben)

Bild: Guido Zingerl aus angegebener Quelle

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