Es werde Licht

Veröffentlicht am 21. Februar 2026 um 14:35

Adelschlag erhielt vor über 100 Jahren Strom / Einschaltfeier im Gasthaus Mogl

von Robert Morgott

Adelschlag - Das drücken des Lichtschalters, die Inbetriebnahme elektrischer Geräte ist für uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Dabei ist es gerade Mal 100 Jahre her, als noch Kerzen- Petroleum oder Gaslicht den Alltag unserer Vorfahren bescherten. Obwohl Thomas Edison bereits 1879 das elektrische Licht revolutionierte, dauerte es auf den Dörfern noch Jahrzehnte, bis eine der größten technischen Errungenschaft des 19. Jahrhunderts Verwendung fand.

Zunächst mussten natürlich erst die technischen Voraussetzungen geschaffen werden. Zu Anfang des Jahres 1909 stellte die Elektrizitäts-Aktien-Gesellschaft Nürnberg Erhebungen über den Bau einer Überlandzentrale für Mittelfranken an. Gleichzeitig wurden alle Bezirksämter vom Plan ganz Mittelfranken zu elektrifizieren verständigt. 1913 ist schließlich für dieses Vorhaben die Firma Fränkisches Überlandwerk AG ins Leben gerufen worden. Noch im selben Jahr, am 21. Dezember 1913 war der Anschluss an das Stromnetz bereits Thema im Gemeinderat Adelschlag. Das Vorhaben wurde allerdings unter der Leitung von Bürgermeister Michael Zinner zurückgestellt. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges brachte schließlich auch die Bautätigkeiten der FÜW fast zum Erliegen.

Wie hart das Leben während des 1. Weltkrieges war, spiegelt uns folgende Anekdote wieder, die auch etwas zum Schmunzeln beiträgt. „Der Wunsch nach einem beleuchteten Versammlungslokal in Adelschlag sei nicht nötig, da die Leute wegen der Arbeiternot, viele Männer waren im Kriegsdienst, durch Arbeitsüberlastung ohnehin sehr müde werden, und bei Zeit ihr Ruhelager aufsuchen“, so argumentierte 1916 der Gemeinderat Adelschlag. In der Eichstätter Volkszeitung, Ausgabe vom 23.12.1920 findet sich ebenso eine amüsante Schilderung dieser neuen Errungenschaft (Eichstätt war bereits am Stromnetz). Die Freude am elektrischen Licht war in den Anfangszeiten immer etwas getrübt. Das „epileptische Licht“ wurde das Licht von der Eichstätter Bevölkerung genannt, weil es öfters plötzlich dunkel wurde und nur durch gelegentliche Zuckungen Leben verrät.

Der technischen Einrichtung ging eine umfangreiche Aufklärungs- und Werbekampagne voraus. In den Räumen der Landwirtschaftlichen Winterschule in Eichstätt fand im Mai 1919 eine Ausstellung über die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten der Elektrizität statt. Am 27. November 1920 wurde in der Gastwirtschaft Mogl in Adelschlag für die Gemeinden Pietenfeld, Adelschlag, Ochsenfeld, Biesenhard, Hard, Meilenhofen, Nassenfels, Egweil und Möckenlohe eine Aufklärungsversammlung des Fränkischen Überlandwerkes abgehalten. Am 18.2.1921 unterzeichnete schließlich die Gemeinde Adelschlag einen Vertrag mit dem Fränkischen Überlandwerk über den Bau eines Stromversorgungsnetzes. Die vorläufigen Kosten werden auf 205.000 Mark beziffert.

Das Gasthaus Mogl, in der die Aufklärungsveranstaltung stattfand (Archiv Morgott)

Aus den Aufzeichnungen des FÜW-Chronisten Franz Xaver Baumeister erfahren wir, dass zur Neuerschließung des Bezirksamtsbereiches Eichstätt 1920 die 20 kV – Fernleitung Hagenacker-Dollnstein-Eichstätt gebaut wurde. Vom Schalthaus Eichstätt, das gleichzeitig Umspannwerk war, ging eine 6 kV Strecke nach Adelschlag, Ochsenfeld und Biesenhard. Erst diese Leitung ermöglichte es, dass Adelschlag ans Netz gebracht werden konnte.

Die Aufnahme von 1998 zeigt die 1963 erbaute Schaltstation östlich Adelschlag i.R. Hellerberg (Archiv Morgott)

Zugleich wurde 1921 östlich von Adelschlag für die weiterführende Strecke nach Tauberfeld eine Schaltstation gebaut, das 1963 an selber Stelle durch einen Neubau ersetzt wurde. 

Die Baukosten waren durch das ständige Steigen der Materialpreise und Löhne infolge der Inflation in solchem Maße gestiegen, das der Gemeinde Adelschlag der Anschluss an das Stromnetz wirtschaftlich zur Unmöglichkeit wurde. Zur Finanzierung wurde schließlich der obere (Steuergemeinde Ochsenfeld) und der untere Schulwald (Hellerberg) abgeholzt. Bei der Bayrischen Landeswirtschaftsbank München musste ein Kredit von 100.000 Mark aufgenommen werden.

Noch rechtzeitig vor dem Höhepunkt der Inflation konnte Adelschlag ans Netz gebracht werden. Eine Statistik aus dem Nachrichtenblatt „25 Jahre Fränkisches Überlandwerk Nürnberg“ über die Anschlüsse ans Stromnetz zeigt uns, dass im Anschlussjahr von Adelschlag noch 154 weitere Ortschaften angeschlossen werden konnten. In der ersten Hälfte 1923 waren es noch 90 Ortschaften, die zweite Hälfte im Hochinflationsjahr 1923 war dann ohne Anschlüsse. Für Adelschlag fand am 22.1.1922 im Gasthaus Mogl für die Arbeiter und Ingenieure der FÜW eine Einschaltfeier statt. Die Versorgung mit Licht und Energie brachte nicht nur Freude mit sich. Wegen der hohen Grund- und Strompreise fand 1. Oktober 1927 in Nürnberg eine Protestveranstaltung statt, bei als Vertreter der Gemeinde Adelschlag Bürgermeister Johann Koch teilgenommen hat.

Die Bahnstation Adelschlag war natürlich für das FÜW von großer Bedeutung, denn die Strommasten wurden meistens mit der Bahn angeliefert. In Adelschlag ist deshalb nach dem 2. Weltkrieg östlich vom Ort am Schalthaus ein Mastlagerplatz eingerichtet worden. Die Weitertransporte an die Stromtrassen wurden von den örtlichen Bauern übernommen. Hauptsächlich war dort der Bauer Michael Niederwald zuständig.

Die in den fünfziger Jahren am Nordrand von Adelschlag entstandenen sogenannten Neuhäuser konnten erst 1957 durch das am Luderhäusl errichteten Transformatorenstationshaus ans Netz gehen. Für eine bessere Stromversorgung der Ziegelei und der BAYWA ist 1963 unmittelbar an der Ziegelei eine separate Transformatorenstation errichtet worden.

Diese Luftaufnahme aus dem Jahr 1957 zeigt die sogenannten Neuhäuser und die Transformatorenstation am Nordrand von Adelschlag (Archiv Morgott)

 

Hözener Strommasten mit Keramik Isolatoren (Foto: Josef Ettle)

Das Fränkische Überlandwerk betrieb auch sogenannte Großdruschanlagen. Der Elektromotor ersetzte die Dampfmaschine. Angetrieben wurde die Dreschmaschine durch einen Motorwagen mit Elektromotor über eine Transmission. Die Bezirksstelle Eichstätt betreute 1963 noch 59 Großdruschanlagen in 59 Ortsnetzen mit 46 Dreschgarnituren. Wenige Jahre später war es aus mit den Dreschgenossenschaften. Der Mähdrescher hat die alte Dreschmaschine abgelöst.

 

Bild rechts: Ein Getreidedrusch in Adelschlag. In der rechten Bildhälfte ist der Motorwagen zu sehen. Anfang der 1960er-Jahre betrieb die Bezirksstelle Eichstätt viele Großdruschanlagen.(Archiv Morgott)