Lehrer - Heimatforscher - Künstler
Von Stefan Bockelmann
Oswald Böhme, 1914 - 1973 (Foto: Sammlung Schürch)
Zur Person
Die älteren Einwohnern des Schuttergäus erinnern sich sicherlich noch an Oswald Böhme als Lehrer und Heimatforscher.
Oswald Böhme wurde am 15. Januar 1914 in Rothenburg o. T. geboren. Hier besuchte er die Realschule, anschließend die Oberrealschule in Würzburg und schließlich die Lehrerbildungsanstalt in Eichstätt, wo er zum Volksschullehrer ausgebildet wurde. Böhme, der aus einem Elternhaus stammte, in dem die Malerei zuhause war, kam nach Lehrtätigkeiten in Rothenburg, Brünn, Königgrätz und Arberg (Mittelfranken) 1947 als Lehrer nach Nassenfels.
25 Jahre war er Lehrer an der hiesigen Grund- und Hauptschule, die er die letzten beiden Jahre sogar als Rektor leitete. Er war verheiratet und hatte 3 Kinder. Wegen eines schweren Nierenleidens ließ er sich im März 1973 auf seinen eigenen Wunsch hin in den Ruhestand versetzten und zog mit seiner Familie von Nassenfels nach Eichstätt um. Viel zu früh im Alter von nur 59 Jahren verstarb Oswald Böhme am 06.August 1973 in Krankenhaus in Ingolsdtadt.
Nassenfelser Schulklasse 1947 mit Oswald Böhme (Sammlung Schürch)
Heimatforschung im Mittelpunkt
Heimat & Sachkunde war ein Schulfach, indem neben der heimischen Fauna & Flora auch die Geschichte der Heimat aus der die Schüler kamen unterrichtet wurde. Durch seine Liebe zur Kunst und Natur dürfte das Oswald Böhme auch nicht schwer gefallen sein, galt doch sein großes Interesse den hiesigen Spuren der Vergangenheit. So war es auch nicht weiter verwunderlich dass Böhme Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte und auch Mitarbeiter des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der damals noch Prähistorischen Stastssammlung München und der "Historischen Blätter" (Für Stadt und Landkreis Eichstätt) war. Auch dem Historischen Verein Eichstät trat er bei und kümmerte sich um die Gestaltung der Steinzeitabteilung in dem Museum auf der Willibaldsburg. Für 25 Jahre wurde die Erforschung der Geschichte des Marktes Nassenfels zu seiner Lebensaufgabe. Mit unermüdlicher Schaffenskraft sicherte Böhme zahlreiche archäologische Spuren im Raum Nassenfels. Die Sammlungen der auf der Willibaldsburg in Eichstätt oder aber auch der Archäologische (früher: Prähistorischen Staatssammlung) in München verdanken Oswald Böhme viele Funde.
In seineme Beitrag "In Memoriam Oswald Böhme" (Historische Blätter für Stadt und Landkreis Eichstätt 1973) berichtet unser Vereinsgründer Wunibald Iser von drei Forschungsperioden Böhmes. Diese beginnen ab 1947 bis ca. 1951 ausschließlich mit der mittelalterlichen Geschichte von Nassenfels, soweit es für den Geschichtsunterricht für ihn in Frage kam. In dieser Zeit entstehen zahlreiche Abhandlungen über historische Gebäude, Objekte und auch Brauchtümer aus Nassenfels.
Römische Gefäße - Zeichnung von O. Böhme (Sammlung Schürch)
Römischer Inschriftstein - Zeichnung v. O. Böhme (Sammlung Schürch))
Weihestein für den römischen Ortsnamen Nassenfels Vicus Scutarensium - Castus Stein - Zeichnung von O. Böhme (Sammlung Schürch)
Durch den Fund zweier römischer Sigillata-Scherben wurde Böhme mit den Abhandlungen von Friedrich Winkelmann, der Anfang des 20. Jhd in Nassenfels Grabungen durchgeführt hatte, konfrontiert. Von da an war er mit dem römischen Virus infiziert. Böhme war fasziniert von der römischen Kultur und in Nassenfels war genügend davon vorhanden, obwohl Vieles ohne sein Wirken oft unbeachtet zerstört wurde. So wurde auf sein Betreiben hin 1952 / 53 der damals in die Friedhofsmauer eingelassene römische Castus-Stein, oder aber auch Weihestein, mit der Nennung des römischen Ortsnamens von Nassenfels Vicus Scuttarensium in den Eingangsbereich der Kirche versetzt, um ihn vor der weiteren Verwitterung zu schützen. Auch aus dieser Periode belegen zahlreiche Veröffentlichungen, zu denen die bedeutenste die "Topographie des römischen Nassenfels" zählt, die unermüdliche Schaffenskraft von Oswald Böhme.
Anfang der sechziger Jahre begann dann seine dritte Forschungsperiode, die sein Lebenswerk krönen sollte. Immer schon hatte Böhme vermutet, dass der Speckberg ein ideales Jagdgebiet für steinzeitliche Bewohner des Schuttertals gewesen sein musste. Als Experte für die Römerforschung in Nassenfels wurden Böhme immer wieder mal Steinartefakte aus Silex vorgelegt, welche zweifelsfrei von Menschen erschaffen wurden. Eine zeitliche Einordnung der Fundstücke war ihm damals aber nicht möglich. Erst durch den Fund eines Faustkeils im Jahr 1961 von Böhme selbst konnten viele Funde des Speckbergs dann in die jüngere Altsteinzeit datiert werden und weil damals der Fund eines Faustkeils einer kleineren Sensation gleich kam, war bei Böhme das Interesse an der weiteren Erforschung des Speckbergs als Lebensraum und Jagdgebiet der Jäger & Sammler aus der Altsteinzeit geweckt. Auf sein Betreiben hin wurden von 1964 - 1968 systematische Grabungen am Speckberg durchgeführt. Es ist also in erster Linie Oswald Böhme zu verdanken, dass der Speckberg zur größten und bestuntersuchsten Freilandfundstelle Bayerns Einzug in die (Fach-) Literatur hielt.
Anzeige der Speckbergfunde an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (Archiv Kreisheimatpfleger Dr. Karl Heinz Rieder)
links: Kugelschreiberzeichnung, rechts Tusche- und Pinselzeichnung des 1961 am Speckberg gefundenen Faustkeil von Oswald Böhme (Sammlung Schürch)
Künsterlisches Wirken
Böhmes Vater Georg war Kunstmaler in Rothenburg o.d. Tauber und auch der Bruder Hans Böhme verdiente seinen Lebensunterhalt mit der Malererei von Landschaften. Zweifelhafte Bekanntheit erlangte der Bruder Hans durch seine Arbeiten für die nationalsozialistische Propaganda.
Es lag also auf der Hand, dass auch Oswald Böhme sich der Malerei widmete. Aber im Gegensatz zu seinem Vater oder seinem Bruder war die Malerei für Oswald Böhme kein Beruf, sondern eine Berufung. Er musste mit seinen Werken kein Geld verdienen und verschenkte viele seiner Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle an seine Freunde. Von seiner Tochter Edeltraud Schürch wissen wir, dass er einst das alte Gasthaus im Schambachtal besuchte, aber kein Geld dabei hatte. Kurzerhand bezahlte Böhme Bier und Brotzeit mit einem Aquarell von dem Gasthaus.
Aquarell vom alten Gasthaus im Schambachtal von Oswald Böhme (Sammlung Schürch). Mit diesem Aquarell soll Böhme Bier und Brotzeit bezahlt haben. Das alte Gasthaus musste einem modernen Wellnesshotell weichen, aber das Bild hängt heute nocht in der Gaststube des Hotels.
Der junge Oswald Böhme, gezeichnet von seinem Vater Georg Böhme (Sammlung Schürch)
Noch heute hängen Werke in Gaststuben, die Böhme früher gern besucht hatte, oder in den Wohnzimmern von Familien, mit deren Eltern und Großeltern Böhme einst befreundet war.
Die Malerei war sein Ausgleich zu seiner Lehrertätigkeit und seinem Drang, die Geschichte in und um Nassenfels zu erforschen.
Oswald Böhme hat auch viele Skizzen und Zeichnungen für den "Heimgarten", ein Beilagenblatt der Eichstätter Volkszeitung ähnlich den Historischen Blättern des Eichstätter Kuriers erstellt.
Galerie - Werke von Oswald Böhme
Die meisten Bilder stammen aus einer PowerPoint-Präsentation von Edeltraut Schürch, der Tochter von Oswald Böhme.
Wir bedanken uns bei Frau Schürch für die Genehmigung, die Bilder hier darstellen zu dürfen und bitten die Leser, die Qualitöt der Bilder zu entschuldigen.
Schloss Nassenfels
Schloss Nassenfels (Sammlung Schürch)
Schulhausgarten
Schulhausgarten in Öl, mit Sohn Wolfgang im Liegestuhl (Sammlung Schürch)
Schulhausgarten mit Söhne
Die Söhne Roland und Wolfgang, im Hintergrund die Scheune vom Ammler Sepp (Sammlung Schürch)
Die Speckmühle im Winter
Die Speckmühle im Winter (Sammlung Schürch)
Wiese hinter der alten Molkerei
Wiese hinter der alten Molkerei (Sammlung Schürch)
Hinterm Nassenfelser Schloss
Hinterm Nassenfelser Schloss (Sammlung Schürch)
Burg und Kirche Nassenfels
Burg und Kirche Nassenfels (Sammlung Schürch)
"Trifft" in Meilenhofen
"Die Trifft" in Meilenhofen (Sammmlung Schürch)
Gasthof Meyer, Möckenlohe
der alte Gasthof Meyer in Möckenloge, heute die "Dorfstubn". (Sammlung Schürch)
Nassenfels: Kirche St. Nikolaus
Eine Bundstiftzeichnung der Kirche vin Nassenfels, mit der Schule im Hintergrund und dem Speth-Hof im Vordergrund. (Sammlung Schürch)
Schulhaus und Kirche Nassenfels
Schulhaus, Kirche und Speth-Hof in Nassenfels (Sammlung Schürch)
Tavernwirtschaft Nassenfels
Rathaus Tavernwirtschaft in Nassenfels, der Glockenturm wurde von Böhme frei dazu erdacht. (Sammlung Schürch)
Die Schutter als Motiv
Schuttertal in Richtung Kranzlerbauer
Schuttertal in Richtung Kranzlerbauer (Sammlung Schürch)
Schutter im Blick von Zell nach Meilenhofen
Blick über die Schutter von Zell nach Meilenhofen (Sammlung Schürch)
Schuttertal bei der Sächenfarter Mühle
Das Schuttertal westlich der Sächenfarter Mühle (Sammlung Schürch)
Die Schutter
Die Schutter (Sammlung Schürch)
Schutterbrücke Sächenfarter Mühle
Die Schutterbrücke an der Sächenfarter Mühle (Sammlung Schürch)
Schutter beim Kranzlbauer
Die Schutter beim Kranzlbauer (Feldmühle)
Veröffentlichungen im "Heimgarten"
Schloss von Hofstetten
Schloss von Hofstetten, im "Heimgarten", Mai 1955 (Sammlung Schürch)
Wachenzell
Wachenzell aus "Heimgarten", Dezember 1953
Zell a.d. Speck
Skizze von Zell a.d., Speck, veröffentlicht im "Heimgarten", Mai 1954 (Sammlung Schürch)
Quellen:
- Edeltraut Schürch (Tochter)
- Kreisheimatpfleger Dr. Karl Heinz Rieder
- Der Speckberg , ISBN 978-3-00-035825-8 (Dr. Karl Heinz Rieder)
- In Memorian Oswald Böhme (Wunibald Iser in HISTORISCHE BLÄTTER für Stadt und Landkreis Eichstätt)
- Nachruf Oswald Böhme von H.Müller-Beck, Tübingen
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