Der Friedensweg, Tafel 24

Der Friedensweg ist ein Wanderweg entlang der thüringischen-bayerischen Grenze, von der ehemaligen Grenzübergangsstelle Henneberg bis nach Brix in der Hohen Rhön. Entlang des Weges stehen 40 Tafeln mit Informationen über die vormalige innerdeutsche Grenze mit ihren Konsequenzen. Auf Tafel 24 wird beschrieben, wie Alois Schweiger einst kurz in Haft der DDR verbrachr wurde. 

Ein Zöllner wird in der Ostzone verhaftet 

Am Sonntag, 2. Juli 1950 hatte der Zollgrenzassistent Alois Schweiger mit einem Kollegen Streifendienst zwischen Weimarschmieden und Fladungen. Aus einiger Entfernung sahen sie, wie von Brüchs heraus eine Frau mit einem großen Rucksack und Taschen auf dem Schafhäuser Weg Richtung Grenze gelaufen kam, wahrscheinlich eine illegale Grenzgängerin. Die Zöllner wollten der Frau den Weg abschneiden und eilten die Grenze entlang, die damals nur alle 50 m mit gelbweißer Farbe an den Grenzsteinen und gelbweißen Streifen an den Bäumen markiert war. Sie liefen zum Kirschberg hinauf, dann geradewegs weiter, ohne im Eifer zu bemerken, daß dort die Grenze einen Knick nach Westen macht.

Da sahen sie im Tal ein Dorf - es war Melpers, aber von Nordosten aus. Sie waren weit in die Sowjetzone gekommen. Eiligst versuchten die
beiden Zöllner wieder auf getrennten Wegen in den Westen zu kommen. Sie hatten Angst vor den Russen, die in Melpers stationiert waren.

Dabei wurde Schweiger von zwei Volkspolizisten entdeckt, die ihn erst zum Stehenbleiben aufforderten, dann zwei Warnschüsse, dann zwei gezielte Schüsse abgaben. Schweiger verkroch sich in einem Kornfeld, wo er entdeckt, verhaftet und nach Schafhausen zum  Volkspolizeikommando abgeführt wurde. Nachmittags wurde Schweiger im offenen Jeep durch das belebte Meiningen zum Polizeigebäude gefahren und dort von einem russischen Major verhört, der ihm "Sabotage" nachweisen wollte. Nach schlafloser Nacht in einer stinkenden Arrestzelle wurde der Zollassistent in den nächsten Tagen immer wieder verhört: durch einen Major der Volkspolizei, den russischen Major und schließlich durch einem Mann vom russischen Geheimdienst NKDW.

Am Mittwoch schließlich, nachdem die Zollbehörde, die bayerische Polizei und die 'Amerikaner angerufen und seine Freilassung gefordert hatten, wurde dem Zöllner mitgeteilt, es läge nichts gegen ihn vor, er käme frei.

Am Donnerstag morgens um 4 Uhr wurden ihm seine Ausrüstungsgegenstände zurückgegeben. An der Wegesperre Gerthausen - Weimarschmieden wurde er freigelassen. Jetzt kamen auf westlicher Seite die Befragungen. Man wollte sich vergewissern, ob Schweiger nicht ,,umgedreht" worden war...

Text: Gerhard Schätzlein; Quelle: Bericht Alois Schweiger, Mainpost;

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